Entscheidungshilfe

Agentur oder Freelancer: Wer soll deine Website erstellen?

14. September 20269 Min. LesezeitTjade Liedtke
Illustration: Eine Unternehmerin steht an einer Weggabelung, links ein kleines Studio mit einer Designerin, rechts ein Bürogebäude mit Team

Ob du deine Website von einer Agentur oder einem Freelancer erstellen lässt, hängt vor allem von Umfang, Budget und deinem Bedarf an Betreuung ab. Freelancer sind oft günstiger und persönlicher, Agenturen bieten mehr Kapazität und ein breiteres Team. Wichtiger als die Unternehmensform sind aber klare Leistungen, ein fester Preis und die Frage, was nach dem Livegang passiert. Dieser Ratgeber zeigt die Unterschiede, typische Risiken und eine Checkliste für deine Entscheidung.

Agentur oder Freelancer: der Unterschied

Ein Freelancer ist eine einzelne Person, die selbstständig arbeitet, oft mit Schwerpunkt auf Design, Programmierung oder beidem. Eine Agentur ist ein Unternehmen mit mehreren Mitarbeitenden, häufig mit getrennten Rollen für Projektleitung, Design, Entwicklung, Text und Marketing.

Die Grenzen sind fließend. Es gibt Freelancer, die mit festen Partnern für Text oder Fotografie arbeiten, und kleine Agenturen mit zwei oder drei Personen. Für deine Entscheidung zählt deshalb weniger das Etikett als die Frage, wer konkret an deinem Projekt arbeitet und was vertraglich zugesichert ist.

Vergleich Freelancer und Agentur: Freelancer mit direktem Kontakt und günstigerem Preis, Agentur mit Team, Vertretung und höherem Preis
Beide Wege haben Stärken. Entscheidend ist, was zu deinem Projekt passt.

Vorteile und Nachteile im Vergleich

Freelancer und Agentur gegenübergestellt

KriteriumFreelancerAgentur
PreisMeist günstiger, weniger OverheadMeist höher durch Team, Büro und Projektleitung
AnsprechpartnerDirekt die Person, die umsetztOft Projektleitung als Mittler
Fachliche BreiteBegrenzt auf eigene Stärken und PartnerDesign, Technik, Text und Marketing im Haus
KapazitätBegrenzt, Wartezeiten möglichMehr Personen, größere Projekte machbar
AusfallrisikoHoch bei Krankheit oder UrlaubVertretung meist geregelt
FlexibilitätKurze Wege, schnelle EntscheidungenMehr Prozesse, dafür strukturierter
Langfristige BetreuungAbhängig von einer PersonUnabhängiger von Einzelnen

Wann ein Freelancer die richtige Wahl ist

Ein Freelancer passt gut, wenn dein Projekt überschaubar ist und du direkten Kontakt schätzt. Typische Fälle:

  • Du brauchst einen Onepager oder eine kleine Website mit wenigen Unterseiten.
  • Texte, Fotos und Logo hast du bereits oder lieferst sie selbst.
  • Dein Budget ist begrenzt, und du willst keine Agenturstrukturen mitbezahlen.
  • Dir ist wichtig, immer mit derselben Person zu sprechen.

Prüfe bei Freelancern besonders, was bei Ausfall passiert. Wer hat Zugriff auf Server und Domain, wenn die Person nicht erreichbar ist? Gibt es eine Dokumentation, mit der jemand anderes weiterarbeiten könnte?

Ein guter Freelancer hat darauf eine klare Antwort, etwa eine feste Vertretung, einen Partner oder zumindest eine Übergabe aller Zugänge. Fehlt sie, ist das kein Ausschlussgrund, aber ein Punkt, den du schriftlich festhalten solltest.

Wann eine Agentur die richtige Wahl ist

Eine Agentur lohnt sich eher, wenn dein Projekt groß ist oder viele Disziplinen braucht:

  • Du brauchst eine umfangreiche Website mit vielen Unterseiten, Shop oder Schnittstellen.
  • Texte, Fotos, Branding und Marketing sollen aus einer Hand kommen.
  • Es gibt einen festen Termin, der unbedingt gehalten werden muss.
  • Du willst langfristig betreut werden, unabhängig von einzelnen Personen.

Prüfe bei Agenturen, wer tatsächlich an deinem Projekt arbeitet und ob Teile an externe Dienstleister vergeben werden. Frag auch, wie viele Abstimmungsrunden im Preis enthalten sind.

Bedenke außerdem, dass du als kleiner Kunde bei einer großen Agentur nicht immer oberste Priorität hast. Lass dir zusichern, wie schnell Anfragen beantwortet werden, und frag nach Referenzen von Kunden in ähnlicher Größe wie deinem Unternehmen. So siehst du, ob die Agentur auch kleinere Projekte mit Sorgfalt umsetzt.

Der dritte Weg: Anbieter mit festen Paketen

Neben klassischer Agentur und freiem Webdesigner gibt es Anbieter, die Websites in klar definierten Paketen anbieten. Statt eines individuellen Angebots nach langer Abstimmung gibt es feste Leistungen zu einem festen Preis, etwa einen Onepager oder eine Website mit einer bestimmten Anzahl an Unterseiten.

Der Vorteil: Du weißt vorab genau, was du bekommst und was es kostet. Nachforderungen sind ausgeschlossen, solange du im vereinbarten Rahmen bleibst. Für kleine Unternehmen, Selbstständige und Vereine ist das oft der einfachste Weg. Für sehr individuelle Projekte mit vielen Sonderfunktionen passt ein Paket dagegen weniger.

Was eine Website kostet: Freelancer und Agentur

Pauschale Preise gibt es nicht, weil Umfang, Design, Texte und Funktionen stark variieren. Grundsätzlich gilt: Agenturen kalkulieren mit höheren Stundensätzen, weil sie Projektleitung, Büro und Team mitfinanzieren. Freelancer haben weniger Fixkosten, rechnen aber oft ebenfalls nach Stunden ab.

Wichtiger als der Stundensatz ist, wie abgerechnet wird. Bei Stundenabrechnung trägst du das Risiko, wenn das Projekt länger dauert. Bei einem Festpreis trägt es der Anbieter. Achte darauf, dass im Angebot klar steht, was enthalten ist: Anzahl der Seiten, Korrekturschleifen, Texte, Bilder, SEO-Grundlagen und Hosting.

Zur Orientierung bei avui: Onepager 590 €, Website mit bis zu 5 Unterseiten 990 €, Website XL mit bis zu 10 Unterseiten 1.390 € (jeweils netto, einmalig). Hosting und Instandhaltung kosten 50 € im Monat.

Fragen für das Erstgespräch

Im Erstgespräch merkst du schnell, ob die Zusammenarbeit passt. Diese Fragen helfen dir, Angebote vergleichbar zu machen:

  • Wer arbeitet konkret an meinem Projekt, und wer ist mein Ansprechpartner?
  • Wie läuft das Projekt ab, und wie lange dauert es bis zum Livegang?
  • Wer schreibt die Texte, und wer liefert Fotos?
  • Wie viele Korrekturschleifen sind enthalten, und was kostet jede weitere?
  • Mit welchem System wird die Website gebaut, und kann ich Inhalte selbst ändern?
  • Was kostet die Betreuung nach dem Start, und was ist darin enthalten?
  • Was passiert, wenn ich später zu einem anderen Anbieter wechseln will?

Achte auch darauf, ob dir Fragen zu deinem Unternehmen gestellt werden. Wer nur über Technik redet und nicht wissen will, wer deine Kunden sind, wird kaum eine Website bauen, die Anfragen bringt.

Vertrag: worauf du achten musst

Egal ob Agentur oder Freelancer, ein schriftlicher Vertrag mit klarer Leistungsbeschreibung schützt beide Seiten. Der Bundesgerichtshof hat 2010 einen sogenannten Internet-System-Vertrag, also Erstellung und Betreuung einer Website, als Werkvertrag eingeordnet. Geschuldet ist damit ein Ergebnis, nicht nur Arbeitszeit. Für dich heißt das: Die Abnahme der fertigen Website ist ein wichtiger Schritt.

  • Leistungsbeschreibung: Welche Seiten, Funktionen und Inhalte gehören dazu?
  • Preis und Zahlung: Festpreis oder Stunden? Wann sind welche Beträge fällig?
  • Zeitplan: Wann ist Start, wann Livegang? Was passiert bei Verzögerung?
  • Korrekturschleifen: Wie viele Änderungsrunden sind enthalten?
  • Abnahme: Wie wird geprüft, und was gilt bei Mängeln?
  • Nutzungsrechte: Darfst du Design, Texte und Bilder dauerhaft und uneingeschränkt nutzen?
  • Zugänge und Domain: Die Domain sollte auf dich laufen, Zugänge zu Hosting und CMS solltest du erhalten.
  • Betreuung: Was kostet Wartung nach dem Start, und wie lange ist die Kündigungsfrist?

Nach dem Livegang: Betreuung und Wartung

Viele vergleichen nur die Kosten für die Erstellung und vergessen, was danach kommt. Eine Website braucht Pflege: Sicherheitsupdates, Backups, kleine Textänderungen, neue Fotos, angepasste Öffnungszeiten. Kläre vorab, wer sich darum kümmert.

  • Hosting: Wo liegt die Website, und wer zahlt dafür?
  • Updates und Sicherheit: Sind sie in einer Wartungspauschale enthalten oder werden sie nach Aufwand berechnet?
  • Änderungen: Kannst du selbst ändern, oder musst du jede Kleinigkeit beauftragen?
  • Erreichbarkeit: Wie schnell reagiert der Anbieter, wenn etwas nicht funktioniert?

Gerade bei Freelancern ist die langfristige Betreuung ein wichtiger Punkt. Eine Website begleitet dich meist viele Jahre. Frag deshalb ehrlich nach, wie der Anbieter Urlaub, Krankheit oder eine mögliche Geschäftsaufgabe absichert.

Warnsignale bei Angeboten

  • Kein schriftliches Angebot: Mündliche Absprachen führen fast immer zu Missverständnissen.
  • Unklare Leistungen: „Website nach Wunsch“ ohne Seitenzahl, Funktionen und Korrekturrunden.
  • Domain auf den Anbieter: Dann hängst du bei einem Wechsel von seinem Wohlwollen ab.
  • Keine Referenzen: Lass dir echte, live erreichbare Projekte zeigen.
  • Lange Bindung ohne Grund: Mehrjährige Verträge für einfaches Hosting sind ein schlechtes Zeichen.
  • Kein Wort zu Rechtstexten: Impressum, Datenschutz und Cookie-Hinweise müssen bedacht werden.

Drei Beispiele aus der Praxis

  • Physiotherapiepraxis mit fünf Seiten: Leistungen, Team, Kontakt, Terminbuchung über einen externen Anbieter. Ein Freelancer oder ein Paketanbieter ist hier meist ausreichend und günstiger.
  • Handwerksbetrieb mit Onepager: Eine Seite mit Leistungen, Referenzfotos und Kontakt. Eine Agentur wäre hier überdimensioniert, ein fester Paketpreis schafft Klarheit.
  • Mittelständler mit Shop und Schnittstellen: Hunderte Produkte, Anbindung an die Warenwirtschaft, mehrere Sprachen. Hier spielt eine Agentur mit eigenem Entwicklungsteam ihre Stärken aus.

Was du selbst zum Erfolg beiträgst

Egal für wen du dich entscheidest: Ein Webprojekt gelingt nur, wenn du mitarbeitest. Plane Zeit für das Erstgespräch, für Feedback zu Entwürfen und für die Abnahme ein. Benenne eine Person in deinem Unternehmen, die Entscheidungen trifft, damit Abstimmungen nicht wochenlang hängen. Stell Informationen zu Leistungen, Preisen und Abläufen bereit und sorge für gute Fotos, wenn sie nicht im Paket enthalten sind. Je klarer deine Vorgaben, desto schneller und günstiger wird das Projekt. Wer dagegen erst während der Umsetzung entscheidet, was auf die Website soll, verlängert jedes Projekt, egal ob mit Freelancer oder Agentur.

Checkliste für deine Entscheidung

  1. Schreib auf, welche Seiten und Funktionen du brauchst und was du selbst liefern kannst.
  2. Hol zwei bis drei Angebote ein, mit möglichst gleicher Leistungsbeschreibung.
  3. Vergleiche nicht nur den Preis, sondern Leistungen, Zeitplan und Betreuung.
  4. Sieh dir Referenzen an und teste sie auf dem Smartphone.
  5. Frag, wie du später Inhalte selbst ändern kannst.
  6. Kläre Domain, Zugänge und Nutzungsrechte schriftlich.
  7. Achte auf dein Gefühl im Erstgespräch: Wirst du verstanden, oder wird dir etwas verkauft?

Fazit: Nicht die Form entscheidet, sondern der Vertrag

  • Freelancer sind oft günstiger und persönlicher, haben aber begrenzte Kapazität und ein höheres Ausfallrisiko.
  • Agenturen bieten mehr Fachleute und Vertretung, kosten aber meist mehr.
  • Für kleine bis mittlere Websites reicht häufig ein Freelancer oder ein Anbieter mit festen Paketen.
  • Entscheidend sind Leistungsbeschreibung, Festpreis, Zeitplan, Nutzungsrechte und Betreuung.
  • Domain und Zugänge sollten immer bei dir liegen.

Mein Rat: Entscheide nicht nach dem niedrigsten Preis, sondern nach dem klarsten Angebot. Wer dir vorab genau sagen kann, was du bekommst, bis wann und zu welchem Preis, hat sein Handwerk meist im Griff. Und lass dir vor der Unterschrift zeigen, wie die Zusammenarbeit nach dem Livegang aussieht, denn dort entscheidet sich, ob du langfristig zufrieden bist.

Quellen

Häufige Fragen

Ist ein Freelancer günstiger als eine Agentur?
Meist ja, weil Freelancer weniger Fixkosten für Büro, Team und Projektleitung haben. Pauschal lässt sich das aber nicht sagen. Vergleiche immer den Leistungsumfang und ob ein Festpreis oder nach Stunden abgerechnet wird.
Was passiert, wenn mein Freelancer ausfällt?
Das ist das größte Risiko bei Einzelpersonen. Sichere dich ab, indem die Domain auf dich läuft, du alle Zugänge zu Hosting und CMS erhältst und die Website so dokumentiert ist, dass jemand anderes weiterarbeiten kann.
Welcher Vertrag gilt bei der Erstellung einer Website?
Der Bundesgerichtshof hat 2010 einen Vertrag über Erstellung und Betreuung einer Website als Werkvertrag eingeordnet. Geschuldet ist also ein Ergebnis. Halte Leistungen, Preis, Zeitplan, Abnahme und Nutzungsrechte schriftlich fest. Im Zweifel lass dich rechtlich beraten.
Wem gehört die Website nach der Erstellung?
Das regeln die vereinbarten Nutzungsrechte. Lass dir schriftlich zusichern, dass du Design, Texte und Bilder dauerhaft nutzen darfst und bei Vertragsende alle Dateien und Zugänge erhältst. Die Domain sollte von Anfang an auf dich registriert sein.
Wie viele Angebote sollte ich einholen?
Zwei bis drei Angebote reichen meist. Wichtig ist, dass alle auf derselben Leistungsbeschreibung beruhen, sonst vergleichst du Äpfel mit Birnen. Achte neben dem Preis auf Zeitplan, Korrekturschleifen und Betreuung nach dem Start.
Kann ich die Website später selbst bearbeiten?
Das hängt vom System ab, das Agentur oder Freelancer einsetzen. Frag vorab, wie du Texte und Bilder änderst und ob dafür Kosten anfallen. Ein einfaches CMS spart dir später viele kleine Aufträge.